Chronik des Zitherorchesters Niederrhein
Heinz Mader
Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts und um die Jahrhundertwende der Steinkohlenbergbau und die Stahlindustrie im Ruhrgebiet Hochkonjunktur hatten, wurden in dieser neu aufstrebenden Region viele Arbeitskräfte benötigt. Und der Zustrom von Arbeitern aus allen Himmelrichtungen in den „goldenen Westen“ riss nicht ab. Auch aus Süddeutschland und Österreich machten sich viele junge Leute und junge Familien auf den Weg, um an Rhein und Ruhr ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie hatten nicht nur ihre sieben Sachen im Gepäck, sondern oft auch ihre Zither, auf die sie in der Fremde nicht verzichten wollten. Radio und Fernsehen waren zu dieser Zeit noch unbekannt, so dass selbst in vielen „einfachen“ Familien Hausmusik selbstverständlich war. An warmen Sommerabenden, nach der oft langen und mühevollen Schicht des Bergmannes oder Arbeiters im Stahlwerk und dem arbeitsreichen Tag der Hausfrau und Mutter von vielen Kindern trafen sich meist mehrere Familien in der Gartenlaube und machten zusammen Musik. Viele Instrumente waren dabei (für das Instrument des Bürgertums, ein Klavier, reichte in den meisten Arbeiterfamilien weder das Geld noch der Platz), Gitarre, Akkordeon, Geige – und natürlich auch die Zither. So schnell wie die Zither ins Ruhrgebiet gekommen war, ist sie auch ein Instrument des Ruhrgebiets geworden. Die Zither wurde dem Ruhrgebiet also nicht „aufgepfropft“, sondern sie wurde ein „einheimisches“ Instrument, je mehr Menschen aus dem süddeutschen Raum und den Alpenländern hierhin übersiedelten und hier heimisch wurden. Dies ist nicht nur eine Behauptung, sondern kann mit folgenden Fakten belegt werden:
Aus Nachlässen erhalten wir oft alte Noten, dabei Restbestände mit den Stempeln alter (nicht mehr existierender) Zithervereine. Außerdem liegen noch einige alte Konzert-Programme solcher Vereine vor. Einige dieser Vereine seien hier genannt:
| Hamborn-Marxloher Glückauf Zitherclub | (Duisburg) |
| Meidericher Zitherverein | (Duisburg) |
| Straßenbahner-Verein Mülheim-Ruhr | (Mülheim) |
| Velberter Zithermusik-Verein 1904 | (Velbert) |
| Musikverein „Alpenrose“ Lütgendortmund | (Dortmund) |
| Werdener Zitherkranz 1885 | (Essen) |
| Zitherkranz Herne (1921) | (Herne) |
| Duisburger Zither-Verein 1891 | (Duisburg) |
| Zithermusik-Verein „Groß-Duisburg“ e.V. | (Duisburg) |
| Zitherverein Arion Hamborn | (Duisburg) |
| Zitherverein Arion 1929 Sterkrade | (Oberhausen) |
| Zithermusik-Verein Duisburg-Wedau 1918 | (Duisburg) |
| Zitherverein Duisburg-Laar 1931 | (Duisburg) |
| Zitherverein Rheinlust Homberg-Hochheide | (heute: Duisburg) |
| Zitherverein Wanheimerort | (Duisburg) |
| Zitherverein „Edelweiß“ Katernberg | (Essen) |
| Zitherverein „Harmonie“ Elberfeld | (Wuppertal) |
| Zitherclub Harmonie Benrath | (Düsseldorf) |
| Zithermusik-Verein 1880 Düsseldorf | (Düsseldorf) |
| Zithermusik-Verein Harmonie 1900 | (Essen) |
| Zitherverein Mülheim-Oberhausen (1926) | (Mülheim, Oberhausen) |
| Zithermusik-Verein 1894 Bochum-Langendreer | (Bochum) |
| Zithermusik-Verein Bochum 1908 | (Bochum) |
| Zither-Chor„Gewerkschaft Deutscher Kaiser“(1913) | (Dinslaken) |
| Zitherverein Edelweiß 1899 Dinslaken | (Dinslaken) |
Von diesem letztgenannten Verein liegt noch das in Sütterlinschrift handschriftlich ausgefertigte Statut des Vereins aus dem Jahre 1899 vor. Vom Zither-Chor „Gewerkschaft Deutscher Kaiser“ Dinslaken existieren bei uns noch zwei Eintrittskarten. Die ältere stammt von einem Programm für den Familienabend am 2. Mai 1914 im Hotel Rosendahl. Dabei handelte es sich um die Erstaufführung des aus Dichtungen und Zithervorträgen zusammengestellten Konzertwerkes „Im Frühling der Liebe“. Bei der zweiten geht es um ein Zitherkonzert am 3. Oktober 1922, in dem der Solist Herr Fritz Mühlhölzl, München, als Zither- und Gitarre-Künstler angekündigt wird. Eine dritte Karte schließlich berechtigte am 30. April 1933 zum Eintritt beim Zitherkonzert des Zithervereins „Harmonie“ Essen. Hierbei ist zum ersten Mal ein Name genannt, der in der Musikgeschichte unseres Orchesters als Lehrer und Dirigent eine große Rolle spielen sollte: Albert Zumbusch.
Weitere Fakten, die für das schnelle Heimischwerden der Zither im Ruhrgebiet sprechen, seien hier genannt:
In Bochum-Langendreer, Wartburgstr. 3, war der Musikverlag Karl Abe beheimatet, der sich seit 1919 sehr stark für die Zitherliteratur engagierte. In Essen-Rüttenscheid, Norbertstraße, befand sich (etwa in den 30er Jahren) der Zitherbauer Julius Röhling, von dem noch heute etliche gute Instrumente erhalten sind.
Der Verband Westdeutscher Zithervereine, gegründet 1875, veranstaltete regelmäßig Verbandsfeste, z.B. 1913 in Cleve, 1920 in Elberfeld, 1921 in Hagen, 1922 in Osnabrück, 1923 in Barmen, 1928 in Langendreer, 1929 in Duisburg. 1920 zählte dieser Verband 49 Vereine mit 620 aktiven Mitgliedern, davon existierten ca. 16 Vereine in Duisburg und ca. 11 Vereine in Essen.
Auch die Anfänge des heutigen Zitherorchesters Niederrhein reichen weit in die frühere Zeit zurück. In einer Notiz, die in drei Oberhausener Zeitungen im Jahre 1955 (Ruhrwacht, Neue Ruhrzeitung, General-Anzeiger) erschien, geht hervor, dass auch der damalige Zithermusik-Verein Oberhausen seine ersten Anfänge eigentlich auf das Jahr 1882 datieren kann. Derselbe Hinweis findet sich auf den Eintrittskarten, weitere Einzelheiten hierzu sind aber nicht genannt; im Archiv des Vereins gibt es allerdings ein Schreiben von 1954, in dem von 65jähriger Tradition gesprochen wird.
Dagegen existiert noch das Protokollbuch des Zithervereins Mülheim-Oberhausen aus dem Jahre 1926. Am 8. August des Jahres wurde er von folgenden Herren gegründet: Heinrich Bido, Fritz Bongers, Wilhelm Borgsmüller, Rudolf Beinecke, Franz Fischer, Johann Feck, Theodor Gaß, Fritz Matron Senior und Junior, Johann Kühnemann und Hermann Parsow. Zum ersten Vorsitzenden wurde Heinrich Bido gewählt, zum ersten Dirigenten Herr Otto Haardt, Wilhelm Borgsmüller, dessen Name später in der Vereinsgeschichte sehr oft auftauchen wird, wurde Notenwart. „Jeden Sonntag morgen saß eine strebsame Schar bei der Übung und schon am 16. Januar 1927 gab der junge Verein, der inzwischen an Mitgliedern gewonnen hatte, im evgl. Gemeindehaus-Saale Oberhausen, unter Mitwirkung des Doppelquartetts Heiderose Oberhausen sein 1. Konzert, nachdem man schon vorher im kath. Krankenhause Oberhausen und beim Blindenverein in Mülheim mit einigen Darbietungen aufwartete und als vornehme Aufgabe betrachtete, dieses auch in späteren Zeiten festzuhalten“ (Auszug aus dem Gründungsprotokoll). 1928 wurde Wilhelm Borgsmüller (sen.) erster Vorsitzender.
Dieser Vorgänger des heutigen Vereins kann nun weiterverfolgt werden bis zur Jahreshauptversammlung am 10. Februar 1929. Bei dieser Versammlung wurden als Mitglieder aufgenommen: Franz Schwarz, Erich Hamsa, Karl von der Linden, Hugo Kleinsondermann, Willi Gädke, Peter Birkelbach, Willi Brings und Hermann Hennenbruch. Einige dieser Herren, insbesondere Karl von der Linden und Willi Gädke, sollten später bei der Neugründung des Vereins nach dem zweiten Weltkrieg wieder ein bedeutsame Rolle spielen. Die letzte Eintragung zu dieser Versammlung besagt, dass Wilhelm Borgsmüller sen. wieder zum ersten Vorsitzenden wiedergewählt und Wilhelm Borgsmüller (sein Sohn ?) zum Notenwart bestimmt wurden. Leider bricht das Protokollbuch an dieser Stelle ab, weitere Unterlagen sind nicht vorhanden. Gründe für die Unterbrechung des Protokollbuches sind nicht bekannt.
Man kann also die Gründung des Zithermusik-Vereins Oberhausen im Jahre 1951 als echte Neugründung unter Mitwirkung einiger Herren des Vorgänger-Vereins betrachten und die meisten Mitglieder dürften dies auch so gesehen haben. Dafür spricht auch, dass der Verein selbst am 28.11.1976 im Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Oberhausen ein Jubiläumskonzert anlässlich seines 25jährigen Bestehens veranstaltet hat. Betrachten wir also die eigentliche Gründung des jetzigen Vereins. Da man es anfangs mit dem Vereinsnamen offenbar nicht ganz so genau nahm und eine Eintragung in das Vereinsregister nicht erfolgte, wird er auf dem Umschlag des Protokollbuches als Zither-Musik-Verein Oberhausen, im Protokoll selbst als Oberhausener Zitherverein bezeichnet.
Protokollbuch des Oberhausener Zithervereins 1951
"Gründung des Oberhausener Zithervereins"
Protokoll Nr.1
Am 10.
Juni 1951 - 10 Uhr wurde im Lokal "Paul Schmitz" unter vorläufigem
Vorsitz von Herrn Karl Vonderlinden eine Gründungsversammlung eröffnet.
Folgende
Anwesenden: Wilhelm Borgsmüller sen., Kurt Klinger, Karl Leisen, Karl
Vonderlinden, Hugo Klein-Sondermann, Leo Landscheid, Fritz Steinebach,
Ernst Schneppe, Franz Fischer, Wilhelm Ricking, Heinrich Bido, Wilhelm
Borgsmüller jun., Mathias Alsleben, Wilhelm Dusi, Georg Frey, Hans
Vössing, Frau Maria Daus, Frau Käthe Hülskämper, Nikolaus
Fischer, Wilhelm Backhuys, Max Klein, mit Entschuldigung Fritz Matron waren
einstimmig der spontanen Auffassung, dass ein neuer Zitherverein ins Leben
gerufen werden müsse. Nach Auffrischen alter Freund- und Bekanntschaften
schritt man gleich zur Wahl des Vorstandes.
In den Vorstand wurden gewählt:
| 1. Vorsitzender | Karl Vonderlinden | 1. Schriftführer | Fritz Matron |
| 2. Vorsitzender | Fritz Steinebach | 2. Schriftführer | Wilhelm Borgsmüller |
| 1. Kassierer | Franz Fischer | Notenwart | Karl Leisen |
| 2. Kassierer | Frau Maria Daus | Dirigent | Ernst Schneppe |
Nach der
Wahl des Vorstandes wurden folgende Beschlüsse gefasst:
Das Vereinslokal
bleibt "Paul Schmitz"; jeden Sonntagmorgen 10 Uhr ist Probe ausser bei
angesetzten Versammlungen; die Beiträge werden bei aktiven wie passiven
Mitgliedern auf 0,50 DM im Monat festgesetzt; bei unbegründeten Verspätungen
von 1/4 Stunde in den Proben werden 0,10 DM erhoben; alle Mitglieder grüßen
untereinander mit "Gut Klang".
Nach Auffrischung
alter Erinnerungen schloss die Gründungsversammlung mit dem Gelöbnis,
an der Zithervereinsmusik mit den besten Kräften zu wirken.
1. Vorsitzender
Karl v.d.Linden
Oberhausen,
2.8.51
Schon am 02. September 1951 fand die nächste Mitgliederversammlung statt. Dabei wechselte der Stab des Dirigenten von Ernst Schneppe, der sich offensichtlich nur übergangsweise bereit erklärt hatte, dieses Amt zu übernehmen, an Karl Leisen. Dass von Anfang an auch das gesellige Leben nicht zu kurz kam, zeigt ein Hinweis im Protokoll, dass die organisatorischen Vorbereitungen für einen gemütlichen Abend folgenden Zitherfreunden übergeben wurden: Franz Fischer, Fritz Steinebach und Ernst Schneppe. Gleichzeitig vermerkt das offenbar im nachhinein geschriebene Protokoll, dass dieser gemütliche Abend „trotz schlechtester Wetterlage“ ein voller Erfolg war. Daran hatten sowohl Ernst Schneppe großen Anteil als auch Albert Zumbusch, der „die Zuhörer mit musikalischen Kostbarkeiten erfreute“.
Am Sonntag, dem 30. März 1952, wurde im Kath. Gesellenhaus an der Paul-Reusch-Str. 66 das erste Zither-Konzert veranstaltet.
Dass die Werbung und Kosten für die Konzerte sehr stark im Mittelpunkt standen, zeigt eine Passage des Schreibens an die GEMA: „ ... um Menschen ansprechen zu können und in einen Konzertsaal zu bringen ... Sollten Sie aber trotzdem noch Forderungen an uns stellen, so versetzen Sie damit der Pflege der Hausmusik einen tödlichen Stoß. Wo kein Verdienst ist, kann auch kein Gewinn verteilt werden“. Außerdem bestanden offensichtlich sehr früh Kontakte zu anderen Vereinen, z.B. zum Zithermusikverein ARION 1929 in Oberhausen-Sterkrade. Ein Schreiben des Deutschen Zithermusik-Verbandes e.V. (Vorsitzender Karl Abe, Bochum-Langendreer) vom Oktober 1953 führt folgende Zithermusik-Vereine auf, zu denen der damalige Vorsitzende Fritz Steinebach dann auch Kontakt aufnahm:
ZMV Harmonie 1900 Essen-Borbeck, ZMV Essen-Kray, ZMV Essen-Werden, ZMV Bochum-Langendreer, ZMV Harmonie Solingen, ZMV Düsseldorf, ZM-Quartett Düsseldorf.
Weiterhin wurden die Anschriften der Jugendverbände gesammelt, um die Jugendlichen zu den Konzerten einzuladen; zu 20 Jugendwohnheimen wurde Kontakt aufgenommen und die 20 Volksschulen der Stadt Oberhausen in den Blick genommen, um den Saal des evgl. Gemeindehauses an der Nohlstraße für ein weiteres Konzert am 8. November 1953 füllen zu können. Dass dies gelungen war, zeigt der Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom folgenden Tage. Ihm ist zu entnehmen, dass etwa 400 Hörer den Saal bis auf den letzten Platz füllten und dass die „Solisten Kühnemann und Gädtke die feinsinnigen Duette Sehnsucht und Nachtlied von A.Zumbusch mit viel Gefühl für den inneren Gehalt der Stücke und in überlegener Spieltechnik vortrugen. Ihnen stand Kurt Klingler mit den Reisebildern aus Ungarn nicht nach“.
In einem Schreiben an die Schulen Oberhausens (März 1954) wurde darum gebeten, dem Verein die musikalische Mitgestaltung bei den Eltern- und Schulfeiern zu ermöglichen. Den interessierten Schülern wurde kostenloser Zitherunterricht und eine gründliche Weiterbildung im Orchester angeboten. Außerdem wurde für eine ordnungsgemäße Betreuung der anvertrauten Jugendlichen garantiert. Diese Angebote an die Jugendlichen wurden auch an die Zeitungen mit der Bitte um Veröffentlichung weitergereicht.
Auszug aus dem Vereinsprotokoll vom 20.06.1954: „...Abschließend richtete der Chorleiter (Albert Zumbusch) an alle die mahnende Bitte, mehr mit Verantwortungsgefühl und Seele zu spielen, um dadurch nach außen für die Zithermusik zu werben. Wir müssen das Publikum durch unser Spielen überzeugen, das war sein innigster Wunsch“. Dies sollte von nun an nicht nur mit dem Orchester in großen Konzerten, sondern auch mit Duos, Trios oder Quartetten bei verschiedenen Gelegenheiten geschehen. Dass er selbst mit gutem Beispiel voranging, zeigt der Bericht der NRZ vom 30.07.1954, in dem die schöne Fertigkeit des Spiels von Albert Zumbusch und Hans Kühnemann gelobt wird. Zu dieser Zeit betrug die Anzahl der aktiven und passiven Vereinsmitglieder etwa 30.
Über das Konzert am 4. Dezember 1955 in der Aula des Lyzeums berichtete die Ruhrwacht u.a.: „Im Konzert stellte sich ein gutes Orchester vor (19 Mann, darunter eine Frau, ein Cello- und ein Violinspieler). Die Vortragsfolge bot Konzertstücke, Volksweisen und Märsche. Am Beifall merkte man, dass Märsche und Volksweisen den meisten Anklang fanden – etwas zu Unrecht, denn die anderen Werke waren gewiß schwieriger zu musizieren. Als Solist tat sich Kurt Klingler (Sonatine) hervor, der dann auch zusammen mit Kühnemann ein Duett bildete. Mit sicherer Hand dirigierte Albert Zumbusch“. Heimkehrer hatten übrigens zu diesem Konzert kostenlosen Eintritt.
In einem Artikel der WAZ Oberhausen vom 27.11.1956, das vordringlich der Werbung von Jugendlichen für die Zithermusik diente, findet sich eine interessante Formulierung: „Die meisten Mitglieder des Vereins stehen bereits in einem Alter, in dem sie gern schon einmal Zuhörer sein möchten. Deshalb Jugendliche für diese Volksmusikpflege zu begeistern, betrachtet der Verein als eine wichtige Aufgabe seiner Arbeit“. Nach diesem Konzert meldete sich eine ganze Reihe von Interessenten und bereits im Jahre 1957 gelang es zum ersten Mal, eine Gruppe von Jugendlichen in den Verein zu integrieren:
Es waren dies Joachim Benthek, Wolfgang Torkilsen, Reimund Knopp, Käthe Bruns, Waldemar Schuler und Ellen Voßkuhl.
Aus den Vereinsunterlagen geht hervor, dass nunmehr regelmäßig Mitglieder- und Vorstandssitzungen stattfanden. Der 1. Vorsitzende, Wilhelm Borgsmüller, dankte insbesondere den Solisten Kurt Klingler und Heinz Gädke für die hervorragende solistische Tätigkeit bei den Konzerten und dem Dirigenten Albert Zumbusch für seine intensive Arbeit mit dem Zither-Orchester. Der Vorsitzende entwickelte umfangreiche Aktivitäten. So bot er Anfang der 60iger Jahre z.B. der Volkshochschule Oberhausen an, Musikunterricht in diesem Institut durch Mitglieder des Vereins erteilen zu lassen. Leider war die Volkshochschule an der Einrichtung solcher Kurse nicht interessiert. Weiterhin begann eine intensive Zusammenarbeit mit dem Sterkrader Zithermusik-Verein „Arion“. Zu den Konzerten des Vereins wurden die Honoratioren der Stadt Oberhausen, wie z.B. die Oberbürgermeisterin Luise Albertz, die Bürgermeister, der Oberstadtdirektor und andere Persönlichkeiten regelmäßig eingeladen. Wilhelm Borgsmüller gelang es auch, mehrfach kleine Beihilfen von der Stadt Oberhausen zu erhalten, nachdem er darauf hingewiesen hatte, dass das Orchester häufig kostenlos bei karitativen Organisationen aufgetreten war. Gleichzeitig trat der Verein am 1. Januar 1962 dem Deutschen Zithermusik-Verband 1877 e.V. (Sitz Bochum) bei.
In einem Schreiben an die Stadt Oberhausen meldet der Vorsitzende 14 aktive Erwachsene, 6 aktive Jugendliche sowie 9 passive Mitglieder.
Im Jahre 1963 erfolgte dann die Gründung des Deutschen Zithermusik-Bundes e.V., dem der Verein sich dann auch sofort anschloss. Noch im selben Jahr wurde in Oberhausen im Gemeindehaus der ev. Christus-Kirchengemeinde, Nohlstr., das erste Landesgruppenkonzert durchgeführt. In einem Brief an die damalige Oberbürgermeisterin, Frau Luise Albertz, schrieb Wilhelm Borgsmüller, dass er die erste Tagung nach der Konstitution des Deutschen Zithermusik-Bundes, nämlich die Tagung der Landesgruppe 5 – Nordrhein-Westfalen mit 2 Konzerten nach Oberhausen geholt habe. „In unseren Nachbarstädten wie Essen und Duisburg erklingt in der Öffentlichkeit keine Zithermusik mehr, deshalb setzen wir in Oberhausen alles daran, dass sie bei uns nicht erstirbt“. Auf dieses Schreiben hin übernahm die Oberbürgermeisterin gerne die Schirmherrschaft für die Tagung am 12. und 13.10.1963. An beiden Tagen fand je ein Konzert statt, bei dem folgende Vereine bzw. Solisten mitwirkten:
12.10.1963: Zithermusik-Verein Oberhausen, Dirigent Albert Zumbusch
Zitherquartett Dortmund, Leitung Walter Jellinghaus
Zithermusik-Verein Düsseldorf, Dirigent Hans de Betue
Zitherkranz Essen-Werden, Dirigent Bert Fuchs
Zitherverein Littfeld, Dirigent Erich Schneider
Zitherspielverein Herford, Dirigent Albert Sudbrack
Spielgemeinschaft Köln 1912/Köln-Kalk/Leverkusen,
Dirigent Hermann Schorn
Solist: Werner Wassermann, Bochum-Langendreer (Diskantzither)
13.10.1963: Musikverein Alpenrose, Dortmund-Lütgendortmund,
Dirigent Emil Wiggers
Zitherquartett Oberhausen, Leitung Kurt Klingler
Zitherkranz Herne, Dirigent Heinrich Schulte
Zithermusik-Verein Bochum-Langendreer,
Dirigent Hans Ludwig
(Solozither: Hans Krasser)
Landesgruppenorchester, Landesmusikleiter Otto Köring
(Solovioline: Herbert Loy)
Zitherquartett Dortmund-Lütgendortmund,
Leitung Willi Kreuger
Solisten: Klaus Waldburg, Oberhausen, Diskantzither (damals 16 Jahre alt)
Willi Meder, Bochum-Werne, Quintzither
Der damalige Landesmusikleiter Otto Köring bedankte sich nach der Veranstaltung in einem Brief bei Willi Borgsmüller u.a. mit folgenden Worten: „ ... Oberhausen ist ein Markstein in der Geschichte des so jungen und doch so alten Zithergeschehens geworden. Es sind dort musikalische Leistungen gehört worden, die in keinem der Altverbände gekonnt über die Bühne gingen“. Insbesondere machte der junge Schüler Klaus Waldburg auf sich und sein Talent aufmerksam, seinen Auftritt kann man sicherlich als Höhepunkt des Konzertes bewerten. Willy Borgsmüller packte daher auch die Gelegenheit beim Schopf, die Oberbürgermeisterin wegen eines Zuschusses zur Anschaffung einer neuen Zither anzuschreiben.
Beim ersten Bundeskongress des Deutschen Zithermusik-Bundes e.V. am 14. und 15. März in Frankfurt/Main spielte am Begrüßungsabend im Saale des Palmengartens das Quartett des Zithermusik-Vereins Oberhausen in der Besetzung Kurt Klingler, Hans Kühnemann, Heinz Gädke und Klaus Waldburg das Divertimento (Präludium - Altes Lied - Scherzo) von Hans Ludwig. Die Aktivitäten des Orchesters weiteten sich immer stärker aus: Zusätzlich zu den regelmäßig zwei Konzerten im Jahr erfolgten nun häufig Auftritte bei sozialen Trägern und im Kaufhof.
Trotz des Bundeskongresses des DZB vom 14.-16.10.1966 in München, an dem 6 Spieler aus Oberhausen teilnahmen, veranstaltete man 1 Woche vorher im evangelischen Gemeindehaus an der Nohlstraße ein Kammerkonzert. Einpaar Wochen später, am 6. November, stand schon wieder das Landesgruppenkonzert in Bochum an. Hierbei spielte im Hauptkonzert das Zitherquartett Oberhausen in der Besetzung Kurt Klingler (Diskantzither), Klaus Waldburg (Quintzither), Heinz Gädke (Altzither) und Albert Zumbusch (Basszither) das Konzert A-Dur von Ferdinand Kollmaneck. dass darüber hinaus immer einige Mitglieder des Orchesters die Konzerte der befreundeten Vereine besuchten, ist durch die zahlreich vorhandenen Eintrittskarten belegt.
In einem Schreiben vom 26.09.1967 an den Kulturdezernenten der Stadt Oberhausen, Hilmar Hoffmann, schilderte Wilhelm Borgsmüller die Arbeit des Vereins: "Der Bundesmusikleiter des Deutschen Zithermusik-Bundes e.V., Walter Jellinghaus, will auf dem Zitherkongreß am 24./25. Mai 1968 unser Quartett und unseren jugendlichen Solisten Klaus Waldburg verpflichten. Der Leiter unseres Quartetts, Kurt Klingler, ist ein fanatischer Autodidakt, der mit enormer Energie die anderen mitzureißen versteht. Der Lehrer von Klaus Waldburg, Albert Zumbusch, Duisburg, der eine Reihe von Jungens und Mädchen in seiner schule hat, will seine Schüler und Schülerinnen in 2 Jahren der Öffentlichkeit vorstellen, deren Leistungen schon heute weit über den Leistungen unserer Vereinsspieler liegen. Ihr Alter liegt zwischen 9 und 16 Jahren. Albert Zumbusch ist der musikalische Leiter unseres Vereinsorchesters, der seinen Schülern keinen Pfennig als Schulgeld abnimmt, im Gegenteil, er zahlt gewöhnlich noch etwas drauf, wenn er den Schülern eine Belohnung versprochen hat".
Ab dem Jahre 1968 übernahm der Vorsitzende, Wilhelm Borgsmüller, auch den Vorsitz der Landesgruppe 5 (Nordrhein-Westfalen) im Deutschen Zithermusik-Bund e.V.; dieses Amt bekleidete er dann auch in den nächsten Jahren.
Auch beim vierten Bundesmusikfest vom 29.05.-01.06.1970 trat Klaus Waldburg wieder als Solist auf, es spielte ebenfalls das Quartett des Zithermusik-Vereins Oberhausen (Leitung Kurt Klingler) in der Besetzung Klingler, Waldburg, Gädke und Zumbusch; beim Jugendkonzert des Musikfestes wirkten auch die 3 jüngsten Mitglieder des Vereins mit, und zwar die Brüder Werner, Udo und Rainer Feichtmeier mit je einem Solo. Trotz dieser erheblichen Belastungen für das Orchester sowie für die Einzelspieler spielte man auch in diesem Jahr wieder beim Heidekonzert in Soltau mit, das der Braunschweiger Zithermusik-Verein 1906 regelmäßig veranstaltete. Zusammen mit dem befreundeten Zithermusik-Verein aus Osnabrück spielte man 3 Kompositionen von Oberhausenern Zither-Komponisten:
Franz Sapuschek, Veilchen aus dem Wienerwald und Josef Kessler, Abschied von den Bergen
Die Vereinskonzerte fanden weiterhin im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde an der Nohlstraße statt, so u.a. im Juni 1970, November 1970, Mai 1971, Mai 1972. Im November 1970 wird zum ersten Mal das Duo Klaus Waldburg (Zither) und Gerda Goletz (Gitarre) erwähnt, außerdem das Schrammelquintett in der Besetzung Kurt Klingler, Klaus Waldburg, Alois Kroiher, Franz Sapuschek, Leopold Mrascek.
Bei dieser
Chronik handelt es sich um einen Auszug aus der Festschrift aus Anlass des
50jährigen Bestehens des Zithermusikvereins Oberhausen/ Zitherorchesters
Niederrhein. Diese Chronik wird in der nächsten Zeit ergänzt. Die Festschrift
kann übrigens gegen eine kleine Gebühr bestellt werden.